DemokratieKINO – Filmreihe des Kommunalen Integrationszentrums Kreis Warendorf

Filmprogramm für Schulen:

Flow

In einer versinkenden Welt muss sich eine Katze entscheiden, wie weit sie sich von Zuhause weg wagt: Ob sie ihre Angst vor Hunden und Wasser überwinden und sich auf einem Boot mit anderen Tieren ins Ungewisse treiben lassen kann…Sie traut sich und lernt mit der Zeit mehr darüber, was vertrauensvolles Miteinander wirklich bedeutet. Wie aus zusammengespülten Lebewesen mit der Zeit eine Gruppe wird, die zusammenhält. Ohne Worte und ganz ohne Menschen – ein vielschichtiges und doch leicht verständliches Kunstwerk, das gerade dadurch über die Grenzen von Kultur und Sprache hinweg funktioniert.  

Dauer: 89 Min, Animationsfilm ohne Dialoge. Empfohlen ab der 3. Klasse.  Weitere Infos zum Film.

CinemAhlen
Dienstag, 10.11., 10:00 Uhr
Reservierung

 

Plitsch Platsch Forever!

Der Film erzählt von der elfjährigen Pola, deren beste Freundin Polly mit ihrer Familie ausgewandert ist, nachdem das örtliche Freibad Plitsch Platsch geschlossen wurde. Um Polly zurückzuholen, will Pola das „Badi“ retten – doch je länger sie kämpft, desto mehr merkt sie, dass Polly nicht zurückkommen wird. Erst als sie erkennt, dass ihre Kraft auch anderen helfen kann, gelingt Pola ein mutiger Neuanfang. Warum ist es leicht Demokratie als Selbstverständlichkeit zu betrachten und warum dürfen gerade Kinder nicht vergessen, sie zu nutzen? Plitsch Platsch Forever! findet darauf immer wieder originelle und humorvolle Antworten. Ein Plädoyer für Kinderrechte, Freundschaft und Mitbestimmung.

Dauer: 85 Min., Deutschsprachige Fassung. Empfohlen ab der 2. Klasse. Weitere Infos zum Film.

CinemAhlen
Mittwoch, 11.11., 11:00 Uhr
Reservierung

 

Mit der Faust in die Welt schlagen

Philipp und Tobias wachsen in der sächsischen Provinz der frühen 2000er auf. Der Vater wird arbeitslos, die Mutter versucht, die Dinge am Laufen zu halten. Mittendrin die Brüder, alleingelassen mit sich selbst. Am Ende bleiben die älteren Jungs als Bezugspersonen, die Abenteuer versprechen, aber rechtsextreme Gewalt meinen. Inmitten von ländlicher Idylle und der Orientierungslosigkeit der Nachwendejahre erzählt der Film von den Dynamiken einer Radikalisierung. Seine beobachtende Haltung bietet Anlass darüber zu sprechen, wie soziale Ungleichheiten und das persönliche Umfeld politische Einstellungen beeinflussen. Und welche Möglichkeiten bestehen, sich gegen Rassismus und Hass zu positionieren. 

Dauer: 94 Min., Deutschsprachige Originalfassung. Empfohlen ab der 9. Klasse. Weitere Infos zum Film. 

CinemAhlen
Freitag, 27.11., 11:00 Uhr
Reservierung

 

Gelbe Briefe

Zu Beginn des Films, als tosender Applaus durch das Staatstheater in Ankara schallt, scheint die Welt von Derya und Aziz in bester Ordnung zu sein: Sie ist eine bekannte Schauspielerin, er erfolgreicher Dramatiker und Uni-Professor. Das Künstlerpaar hat eine 13-jährige Tochter, das Familienleben in der geräumigen Wohnung wirkt glücklich. Doch kurz darauf erhalten beide Post von den Behörden. Mit sofortiger Wirkung verlieren sie ihre Arbeit, Aziz muss sich gar vor Gericht verantworten. Er soll den Präsidenten beleidigt und seine Studierenden zum Protest gegen die Regierung angestachelt haben. In dieser Notlage zieht die Familie zu Aziz‘ Mutter nach Istanbul, gerät aber in einen Konflikt darüber, wie es nun beruflich und politisch weitergehen soll. Jetzt erst recht für Kunst- und Meinungsfreiheit eintreten – oder sich mit den Verhältnissen arrangieren? Eine allgemeingültige Parabel über Politik, Kunst und Widerstand.
 

Dauer: 128 Min., Deutschsprachige Fassung. Empfohlen ab Klasse 10.  Weitere Infos zum Film.

CinemAhlen
Dienstag, 24.11., 11:00 Uhr
Reservierung

 

Rose

Eine Frau namens Rose lebt zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges als Mann. Mit falscher Identität hat Rose im Krieg gedient und kommt nun mit den Papieren eines gefallenen Kameraden in ein Dorf, um dessen Erbe anzutreten. Ein Großbauer bietet ihr seine Tochter Suzanna zur Heirat. Rose willigt ein. Mit der Hochzeit wächst aber auch die Gefahr, als Frau erkannt zu werden. Rose ist eine Geschichte über Entscheidungen, ihre Tragweite und die Hoheit über die eigene Identität.  Der Film erzählt dabei vom überzeitlichen Thema geschlechtlicher Diskriminierung. Und über den Mut, in einer Zeit der Unfreiheit, einen eigenen Lebensweg einzuschlagen.   
 

Dauer: 100 Min., Deutschsprachige Originalfassung. Empfohlen ab Klasse 11.  Weitere Infos zum Film.

CinemAhlen
Dienstag, 17.11., 11:00 Uhr
Reservierung

 


Über das Projekt:

Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Aktuelle politische Entwicklungen stellen Demokratien vor neue Herausforderungen. Hinzu kommen die Klimakrise, Kriege und grenzüberschreitende Konfliktdynamiken. 

Sie prägen unseren Alltag, verunsichern und können das Vertrauen in demokratische Institutionen und gesellschaftlichen Zusammenhalt schwächen. Zugleich besteht die Gefahr, dass sich gesellschaftliche Debatten verengen und unterschiedliche Perspektiven zunehmend aus dem Blick geraten.

Gerade in dieser Situation kann Film einen besonderen Zugang eröffnen. Gute Filme ermöglichen Perspektivwechsel, machen unterschiedliche Lebenswelten erfahrbar und fördern Empathie. Sie laden dazu ein, vertraute Sichtweisen zu hinterfragen, Ambivalenzen auszuhalten und über gesellschaftliche Konflikte ins Gespräch zu kommen. Film kann damit ein wertvoller Impuls für politische Bildung sein.

Gleichzeitig ist Film niemals nur ein neutrales Abbild der Wirklichkeit. Ein Blick in die Filmgeschichte zeigt eindrücklich, wie wirkungsvoll bewegte Bilder zur Beeinflussung von Wahrnehmung eingesetzt werden können. Die Rolle von Film und Propaganda im Nationalsozialismus oder das Verhältnis von Film, Ideologie und gesellschaftlicher Deutung in der Nachkriegszeit verdeutlichen, dass Bilder Wirklichkeit nicht nur darstellen, sondern auch konstruieren. Wenn Film Perspektiven eröffnet – kann Film ebenso Perspektiven verengen?

Diese Frage gewinnt in unserem medialisierten Alltag eine neue Dringlichkeit. Mit jedem Wischen über das Smartphone entsteht unser ganz individuelles, algorithmisch gesteuertes „Kino“: Nachrichten, Kurzvideos, Werbung, Unterhaltung, Selbstdarstellung und politische Inhalte begegnen uns im Sekundentakt. Generationenübergreifend stellt sich die Frage, wie bewusst wir unsere Medieninhalte noch auswählen und in welchem Maße wir einem schleichenden Kontrollverlust über die eigene Informations- und Wahrnehmungswelt ausgesetzt sind.

Denn auf denselben Bildschirmen, auf denen unterhalten, informiert und geworben wird, können auch ideologische Botschaften ihren Weg in unseren Alltag finden. Sie präsentieren vermeintlich eindeutige Wahrheiten, schüren Unsicherheiten und Ängste oder konstruieren gezielt Feindbilder. Die Fähigkeit, Bilder, Erzählungen und ihre Wirkungsweisen kritisch zu hinterfragen, wird damit zu einer wichtigen Voraussetzung für demokratische Teilhabe.

Hier setzt das Demokratiekino im Kreis Warendorf an. Das vom Kommunalen Integrationszentrum initiierte Angebot richtet sich insbesondere an Schülerinnen und Schüler und pädagogische Fachkräfte und schafft einen geschützten Rahmen, in dem gesellschaftspolitisch relevante Filme gemeinsam diskutiert werden können. Kritisches Filmschauen bedeutet dabei mehr als die Frage, worum es in einem Film geht. Es geht auch darum, wie Geschichten erzählt werden, welche Perspektiven sichtbar oder unsichtbar bleiben, welche Bilder und Emotionen erzeugt werden und welche Deutungen dadurch nahegelegt werden.

Die gemeinsame Auseinandersetzung mit filmischen Konflikten eröffnet zugleich einen niedrigschwelligen Zugang zu zentralen Fragen demokratischer Gesellschaften:
 

Was bedeutet Freiheit?
Wie gehen wir mit unterschiedlichen Positionen und Lebensentwürfen um? 
Was braucht Pluralismus?
Wie können Konflikte ausgehandelt werden, ohne dass gesellschaftlicher Zusammenhalt verloren geht? 
Und welche Verantwortung tragen wir selbst für die Art und Weise, wie wir Informationen aufnehmen, bewerten und weitergeben?


Das Demokratiekino verbindet damit kulturelle und politische Bildung. Filme zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen bieten Anlass, komplexe Herausforderungen vertiefend zu behandeln und Impulse für Unterricht, pädagogische Arbeit und eigene Projekte zu entwickeln. Im Mittelpunkt steht nicht die Vermittlung vorgefertigter Antworten, sondern die gemeinsame Entwicklung von Fragen, der Austausch unterschiedlicher Perspektiven und die Stärkung eines reflektierten Umgangs mit medial vermittelter Wirklichkeit. Das Demokratiekino soll dazu einen wirksamen Beitrag leisten.
 

Das Projekt in Kürze:
- Zeitraum: November bis Dezember 2026
- Zielgruppe: Schulklassen (Primar- bis Oberstufe), pädagogisches Fachpublikum
- Kino-Standorte in Ahlen und Warendorf
- Ausgewählte Schulvorstellungen
- Eintritt frei. Wir bitten um frühzeitige Reservierung.

Das Projekt wird gefördert aus Mitteln des Ministeriums für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen.


Ansprechpartner

Florian Günther
Tel.: 02581 53 4510
E-Mail: florian.guenther@kreis-warendorf.de

Jan Ammermann
Tel.: 02581 53 4520
E-Mail: jan.ammermann@kreis-warendorf.de